Der Mondsee

Tief unten am Grund des Mondsees erhebt sich ein kleiner H├╝gel. Hier stand fr├╝her, als es noch keinen See gab, ein wundersch├Ânes Schlo├č, und an den Berghang gelehnt breitete sich inmitten fruchtbarer ├äcker und Wiesen eine bl├╝hende Ortschaft mit einer zur Andacht ladenden Marienkirche aus. Die Bev├Âlkerung des Dorfes waren gottesf├╝rchtige, flei├čige Bauern, die die ganze Woche hindurch flei├čig ihrer Arbeit nachgingen, den Sonntag aber in frommer Gl├Ąubigkeit dem Herrn weihten. Der Ritter dagegen, der auf der Burg sa├č, war ein gottloser, grausamer Herr, der seinen Gefallen daran hatte, seine Untertanen zu schinden und zu bedr├╝cken und die Nachbarburgen zu ├╝berfallen und auszupl├╝ndern. Die Sonn- und Festtage verbrachte er lieber bei gro├čen Sauf- und Fre├čgelagen im Kreis gleichgesinnter Standesgenossen, als einen Fu├č in die Kirche zu setzen. Doch die strafende Hand des Herrn schwebte schon ├╝ber ihm.

Mondsee

Eines Nachts erschien dem Pfarrer des Dorfes im Traum die Muttergottes und forderte ihn auf, den Ort mit allen Bewohnern schleunigst zu verlassen, da der Zorn Gottes die Burg und den Ort in kurzer Zeit schwer treffen werde. Gehorsam vollzog der Pfarrer die himmlische Weisung und verlie├č mit seinen Pfarrkindern traurig das geliebte Heimatdorf. Mit all ihren Habseligkeiten beladen, zogen sie davon und siedelten sich an der Stelle an, wo heute der Markt Mondsee liegt. Der Ritter besah von der Burg aus mit seinen Trinkfreunden den Abzug der Dorfleute und rief ihnen h├Âhnische, spottende Worte nach. Dann kehrte er mit seinen gr├Âlenden G├Ąsten fluchend zur Tafel zur├╝ck und verbrachte wie ├╝blich den Tag mit Saufen, Spielen und L├Ąstern, bis die Nacht hereinbrach.

Aber w├Ąhrend der Burgherr und seine ├╝blen G├Ąste noch ahnungslos ihrem gottverha├čten Tun fr├Ânten, verfinsterte sich schon der Himmel, und das g├Âttliche Strafgericht nahte. Ein schweres Unwetter zog auf, Blitz auf Blitz zuckte hernieder und schlug in die Burg ein. Flammen stiegen zum Himmel, Wasser quoll aus unterirdischen Spalten und erf├╝llte das Tal mit rasender Schnelligkeit. Das brennende Schlo├č versank mit dem Burgherrn und allen seinen Bewohnern und G├Ąsten in einem sich ├Âffnenden Schlund, die steigenden Wasser schlossen sich ├╝ber der Burg und ├╝berfluteten auch die H├Ąuser des Dorfes, das mit dem Schlo├č zugrunde ging.

Am andern Morgen aber breitete sich dort, wo Burg und Ortschaft gestanden waren, ein weiter See aus, der wegen seiner mondf├Ârmigen Gestalt den Namen Mondsee erhielt. Bei klarem Wetter soll man inmitten des Sees weit unten in den dunkelgr├╝nen Fluten noch die Spitze des Kirchturms und die Zinnen der Burg sehen k├Ânnen. Zuletzt hat sie vor nahezu hundert Jahren ein Fischer gesehen, der auch die johlenden Stimmen von Trinkern zu h├Âren vermeinte unten in den dunkelgr├╝nen Fluten noch die Spitze des Kirchturms und die Zinnen der Burg sehen k├Ânnen. Zuletzt hat sie vor nahezu hundert Jahren ein Fischer gesehen, der auch die johlenden Stimmen von Trinkern zu h├Âren vermeinte.

Quelle: Die sch├Ânsten Sagen aus ├ľsterreich, Seite 298